Endometriose und Osteopathie

Neben konservativen Behandlungsmethoden existieren für die chronische Frauenerkrankung Endometriose mehrere komplementäre und alternative Therapiemöglichkeiten. Hierzu zählen auch osteopathische Konzepte. Auf dieser Seite beleuchten wir dieses Thema genauer.

Grundlegendes zur Osteopathie

Osteopathie ist eine, vor über 140 Jahren entdeckte, eigenständige Form der Medizin. Sie zielt darauf ab, Funktionsstörungen zu erkennen und zu beheben. Hierfür nutzt sie Techniken, welche mit den Händen ausgeführt werden. Eine Besonderheit der Osteopathie liegt darin, dass sie Patienten stets als Individuum wahrnimmt und ganzheitlich behandelt.

Osteopathen suchen mit ihren Händen nach der Ursache von Beschwerden. Ihr Ziel ist es, Funktionsstörungen und Blockaden, die eine Krankheit herbeiführen, aufrechterhalten oder begünstigen, zu lösen. Auch in der Gynäkologie kommt die Osteopathie zur Anwendung, was sie zu einem interessanten Aspekt für Endometriose-Erkrankte macht.

Wie kann Osteopathie bei Endometriose eingesetzt werden?

Insbesondere als Ergänzung zur Schulmedizin wird die Osteopathie bei zahlreichen gynäkologischen Beschwerden eingesetzt. Für Endometriose-Erkrankte sind die folgenden relevant:

  • Verwachsungen und Verklebungen bei Endometriose
  • Postoperative Narbenbehandlung
  • Postoperative Behandlung zum Abtransport von Gasen
  • Bauch-, Kopf- und Rückenschmerzen aufgrund des Zyklus
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
  • Unerfüllter Kinderwunsch
  • Unregelmäßige Periode (Dauer, Blutungsmenge, Zwischenblutungen)
  • Normalisierung nach dem Absetzen der Pille

Wie läuft eine osteopathische Behandlung bei Endometriose ab?

Die Behandlung richtet sich nach dem individuellen Krankheitsbild – insbesondere nach der Ausprägung der Beschwerden und der Beschwerdedauer. Je schwerer und länger die Beschwerden sind, desto häufiger wird die Behandlung im Regelfall stattfinden. Vorab muss außerdem stets das Ziel geklärt werden. Nicht immer ist beispielsweise eine komplette Beschwerdefreiheit realistisch.

Die angewandten Techniken sind von Osteopath zu Osteopath unterschiedlich. Die Bandbreite reicht von schmerzhaften Handgriffen bis hin zu sanften und sehr gezielten Behandlungen, bei denen eine ständige Kommunikation mit der Patientin erfolgt. Letzterer Weg wird von unserem Osteopathie-Fachbeirat Tobias Hopfner (siehe Abschnitt „Kooperationen“) meist bevorzugt.

Allgemein folgt die Behandlung nachstehnden Schritten:

  1. Ausführliches Befundgespräch zu den gynäkologischen Beschwerden und der gesamten Krankheitsgeschichte
  2. Übersichtsartige Untersuchung des Körpers
  3. Spezifische Untersuchung im Bereich der Beschwerden
  4. Mobilisierung relevanter (von Verwachsung/Verklebung betroffener) Organe, Behandlung des vegetativen Nervensystems

Im Regelfall dauert eine Behandlungseinheit ca. 45 bis 60 Minuten. Das Ziel ist es, die Durchblutung und/oder die nervale Versorgung der betroffenen Organe zu verbessern. Hierbei wird das vegetative Nervensystem mitbehandelt, da es die Organfunktionen reguliert.

Ist eine vaginale/interne Behandlung notwendig und sinnvoll?

Die Praxiserfahrung unseres Fachbeirats Tobias Hopfner zeigt, dass eine vaginale bzw. interne Behandlung bei Endometriose äußerst effektiv ist. Dieser sogenannte Touché wird dennoch nur von wenigen Osteopathen angeboten. Unabhängig davon bedarf diese Behandlungsform stets der schriftlichen Einwilligung der Patientin und ist immer eine freie Entscheidung. Die Behandlung kann jederzeit abgelehnt und auch abgebrochen werden. Zudem sollte immer das Angebot gemacht werden, eine Begleitperson mitzubringen.

Welche Rolle spielt Osteopathie im Endometriose Dialog e.V.?

Der Endometriose Dialog e.V. hat das Ziel, die Situation von Frauen mit Endometriose zu verbessern. Er setzt sich hierbei nicht nur für eine Optimierung schulmedizinischer Diagnostik und Therapie ein, sondern beleuchtet auch unterstützende und alternative Behandlungsformen. Aus diesem Grund besitzt der Verein unter anderem einen Fachbeirat für den Bereich Osteopathie. Dieser berät den Endometriose Dialog e.V. und seine Mitglieder. Er ist zudem an Forschungsaktivitäten beteiligt und steht im internen Forum (Mitgliederbereich) als Experte für Fragen und Diskussionen zur Verfügung.

Kooperationen des Vereins im Bereich Endometriose

Im Bereich Osteopathie arbeitet der Endometriose Dialog e.V. mit Tobias Hopfner zusammen. Der Fachbeirat des Vereins ist ausgebildeter Physiotherapeut mit einer sich anschließenden, fünfjährigen Osteopathieausbildung. Zudem hat Tobias Hopfner ein Bachelor- und ein Masterstudium in Osteopathie absolviert. Um die Osteopathie in Deutschland auch ausüben zu dürfen, hat er zusätzlich eine Heilpraktikerprüfung abgelegt. Des Weiteren ist der Osteopath Dozent an der Hochschule Fresenius – unter anderem im Bereich der viszeralen Osteopathie, der Behandlung des Beckens und der Wirbelsäule.

Tobias Hopfner arbeitet seit 2011 im osteopathischen Konzept. Etwa ebenso lange beschäftigt er sich bereits mit der gynäkologischen Osteopathie, welche einen großen Teil seiner täglichen Praxisarbeit ausmacht.


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